Entwurf eines Nachrufs auf Schiefertafel

Wenn ein Bekannter gestorben ist, haben wir das Bedürfnis, an den geschätzten Menschen mit ein paar pietätvollen Worten zu erinnern. Einen angemessenen Nachruf („Nekrolog“) zu schreiben ist aber nicht immer ganz einfach, denn dabei kommen Gefühle der Trauer besonders schmerzlich zurück. Angesichts der Flut von Erinnerungen an das gelebte Menschendasein stellt sich die Frage: Was soll beim Nachruf Schreiben berücksichtigt werden? Als Formulierungshilfe steht ein reicher Schatz an wunderschön gestalteten Beispielen aus der Geschichte des Nachrufs zur Verfügung. Da kann das Schreiben dem Verfasser sogar zum Trost gereichen. Auch der Trauergemeinde helfen, die tröstlich formulierten Worte der liebevollen Erinnerung ein wenig über den schmerzlichen Verlust hinweg.

Wie verfasst man einen Nachruf?

Füllfederhalter mit Kondolenzbriefumschlag © PhotoSG – Fotolia.com

Füllfederhalter mit Kondolenzbriefumschlag

Wie für jede literarische Form gibt es auch für das Schreiben des Nachrufs ein paar Regeln, die man bei der Formulierung beachten sollte.

  • Rückblick auf das Leben
  • Zur Erinnerung an den Verstorbenen wird beim Schreiben eines Nachrufs der wichtigsten Stationen seines Lebens gedacht. Dabei kann auf persönliche und berufliche Eckdaten ebenso eingegangen werden wie auf soziales Engagement oder sportliche Erfolge. Auch eine eventuelle Krankheit, die zum Tode führte, kann Erwähnung finden.
  • Würdigung
  • Zur Würdigung des Verstorbenen gehört die Erwähnung seiner besonderen Verdienste im Leben. Beim Nachruf kann man auch die herausragenden Eigenschaften seiner Persönlichkeit hervorheben.
  • Anekdoten
  • Meist ist es für die Trauergemeinde sehr tröstlich, im Nachruf einige Anekdoten wiederzufinden, die man gemeinsam erlebt hat. Beim Schreiben sollte darauf geachtet werden, dass diese Anekdoten den Charakter des Verstorbenen widerspiegeln.
  • Die Zukunft ohne den Verstorbenen
  • Die gesamte Trauergemeinde ist sich darüber bewusst, dass ihr Leben nun ohne den Verstorbenen weiter gehen wird. Der Schmerz darüber wird in der Trauerfeier gemeinsam erlebt. Darüber sollte man auch im Nachruf schreiben, denn der Verstorbene wird in den Herzen aller weiterleben.

Wie wurden früher Nachrufe geschrieben?

Der Nachruf blickt auf eine lange Geschichte zurück, denn schon in der Antike war es üblich, Reden zu schreiben, die an verstorbene Zeitgenossen erinnerten. Schon damals gab es feste Regeln für die Formulierung solcher Texte, wie schriftliche Überlieferungen aus der Zeit beweisen. In der Antike waren Leichenreden mitunter sogar wichtige Mittel der Politik, was beispielsweise Julius Cäsar für den Anstoß seiner Karriere nutzte. Im heutigen Medienzeitalter muss der Nachruf nicht mehr notwendigerweise als öffentliche Rede gehalten werden.

Man kann ihn auch schreiben, um ihn in gedruckten oder digitalen Medien zu publizieren oder als Trauerbrief zu verschicken. Natürlich sollte aber auch die mündliche Leichenrede immer vorab schriftlich verfasst werden. Der ernste Anlass verlangt eine gewisse Sorgfalt beim Schreiben des Nachrufs.

 

Einen Nachruf zu schreiben kann tröstlich sein

Das Nachruf Schreiben bedingt eine intensive Beschäftigung mit dem Verstorbenen. Das kann einerseits sehr schmerzlich sein, weil wir dabei mit vielen Erinnerungen an das gemeinsame Leben konfrontiert werden. Andererseits liegt aber auch Tröstliches im Verfassen einer Totenrede. Denn dadurch lernt der Verfasser, noch besser zu begreifen, dass der Abschied nun vollzogen ist. Und beim Nachruf Schreiben kann er versuchen Formulierungen zu finden, die auch für die Trauergemeinde tröstlich klingen. So wie Trauerkarten und Trauerbriefe soll auch dieser Text den gemeinsamen Schmerz ausdrücken, der die Trauernden jetzt miteinander verbindet. Und genau diese Gemeinsamkeit ist es auch, die den Zusammenhalt stärkt und dadurch den Schmerz lindert.

Beispiele, was Sie in einem Nachruf schreiben sollten

Wie bei jedem guten Text sollte man auch beim Schreiben eines Nachrufs mit einer Einleitung, einem Hauptteil und einem Schluss arbeiten. Das gilt für die Formulierung von rein schriftlichen Varianten genauso wie für Reden, die bei der Beerdigung gehalten werden sollen. Die Einleitung sollte den Anlass der Rede umreißen und der Redner sollte sich darin kurz vorstellen, damit die Gemeinde weiß, mit wem sie es hier zu tun hat.

 

Die einleitenden Worte könnten zum Beispiel lauten:
Wir sind heute hier aus einem traurigen Anlass zusammen gekommen, um dem Verstorbenen gemeinsam die letzte Ehre zu erweisen.
Weiterführen könnte man seinen Vortrag beispielsweise mit den Worten:
Als guter Freund des Verstorbenen habe ich die letzten Jahrzehnte an seiner Seite verbracht, so erfahren die Zuhörer gleich zu Beginn, wie der Redner zum Verstorbenen stand.
Im Hauptteil des Nachrufs sollte man an den Verstorbenen erinnern und vor allem über die gemeinsame Wertschätzung schreiben, die alle dem vermissten Menschen entgegen gebracht haben. Dies kann mit Rückblicken auf sein Leben, mit kleinen Anekdoten und würdigenden Worten zu seinen Taten geschehen. Selbstverständlich werden hier eher die positiven Aspekte der Persönlichkeit des Verstorbenen zur Sprache kommen, von Übertreibungen sollte man jedoch Abstand nehmen.

Jeder Mensch hat genügend gute Eigenschaften, die die Überzeichnung seines Charakters überflüssig machen. Die Trauergemeinde kannte den Menschen, von dem jetzt Abschied genommen wird. Worte über seine typischsten Eigenschaften und seine Leidenschaften werden den Nerv also viel eher treffen als unangemessene Lobeshymnen. Am tröstlichsten für die Mittrauernden sind persönliche Aussagen, die beispielsweise davon erzählen, was man selbst am meisten vermissen wird.

Am Ende sollte ein Blick in die Zukunft stehen, wenn der Verstorbene zwar nicht mehr da sein, aber in den Herzen seiner Angehörigen und Freunde weiterleben wird. Den würdigen Abschluss einer Trauerrede kann beispielsweise die Aufzählung der Dinge bilden, an die man sich im Zusammenhang mit dem Verstorbenen immer erinnern wird. Viele Zuhörer werden sich bestimmt in so einer Aufzählung mit ihren eigenen Gefühlen wiederfinden.